Dienstag, 9. Dezember 2014

Die allmorgendliche Krise

Kita ja, aber nur mit Diadem! Diese Prinzessin habe ich neulich zu einer wirklich miesen, frühen Uhrzeit gesehen.

Diesen Post widme ich Tobias und Andreas.

Frühaufstehen an kalten Wintertagen – den Wenigsten fällt das leicht. Radiowecker und Smartphones mit Heia‑popeia‑Musik versuchen uns, möglichst schonend beizubringen, dass die Nacht vorbei ist. Das hat schon so manchen Liebhaber der elektrofreien Zone im Schlafzimmer zur Rebellion getrieben und sagen lassen: Vergesst Elektrosmog, Heia-Popeia-Musik rockt! Doch zu gottlosen Uhrzeiten werden auch die wohltuendsten Klänge zu Überbringern einer bösen Botschaft: Die Nacht. Ist. Vorbei. Dieser Tatsache jeden Morgen aufs Neue ins Auge zu sehen, ist nicht einfach nur unangenehm. Im Grunde genommen ist es eine Krise, die der Mensch mehr oder weniger intensiv durchläuft. Ich finde nämlich, dass man beim Aufstehen die von Psychologen ermittelten „Phasen der Krisenbewältigung“ beobachten kann.


Schock

Nicht bewegen, da läuft überhaupt keine Musik, da klingelt gar kein Wecker, einfach ganz ruhig weiter atmen. Mit solchen und ähnlichen Sätzen, die der Geweckte wie ein Mantra immer und immer im Geiste wiederholt, versucht er das Unvermeidliche zu verleugnen. Hier greift ein Urinstinkt, den der Mensch in Extremsituationen mobilisiert: Der Totstellreflex, auch Freezing genannt. Ein erstaunlicher Mechanismus, der sich im Übrigen ganz leicht an Mistkäfern auf einem Waldspaziergang provozieren lässt. Die kleinen Kerlchen einfach mal mit einem Stock anstupsen und – tot. Aber nur so als ob. Genau wie bei unmittelbar Geweckten. Interessant bei Paaren: Wer überwindet die Schockstarre zuerst?

Protest/Trauer

Unter protestierendem Stöhnen und Ächzen befördern sich die Geweckten in die stabile Seitenlage und anschließend in die Senkrechte. Inwiefern die Geweckten ihrem Ärger Luft machen, hängt entscheidend vom Temperament ab. Extrovertierte Typen betrauern auf dem Weg ins Badezimmer lauthals und ausgiebig die Situation, um gegebenenfalls mit einem dramatischen „ICH WILL WOCHENENDE!“ zu schließen. Introvertierte Menschen können ihren Protest auch schon einmal auf das Gegenüber projizieren – was der Volksmund als „Morgenmuffel“ bezeichnet. Dieses Verhalten gehört zum Bewältigungsprozess und ist nicht persönlich zu nehmen. Wichtig ist, dass der Geweckte jetzt ein kontinuierliches und aufrechterhaltendes Kommunikationsangebot erhält.

Verhandlung

Der Geweckte versucht durch einen „Handel mit dem Schicksal“, die Situation hinauszuzögern. Okaaay, ich putze mir die Zähne, aber dafür ganze zehn Minuten. Dabei setze ich mich auf den Badewannenrand und schließe die Augen. Das ist nämlich fast wie Weiterschlafen. Empfehlenswert sind an dieser Stelle elektrische Zahnbürsten. Sie erfordern weniger motorischen Aufwand. Dreht man beim Putzen einfach etwas den Kopf hin und her, reicht das bloße Festhalten der Bürste. Der Geweckte muss nicht einmal den Arm bewegen.

Akzeptanz


Bei einigen hilft der Pfefferminz-Geschmack, bei anderen der Schwall Wasser ins Gesicht, wieder andere benötigen die berühmte Tasse Kaffee, um den neuen Tag begrüßen zu können. Wie schnell einzelne Menschen diese Krise durchlaufen hängt natürlich wieder entscheiden von Temperament und Gesundheitszustand ab. Ob es nun fünf Minuten dauert oder einen ganzen Tag, ob es mit kleinen Augen oder Zahnpasta im Mundwinkel endet – egal. Hauptsache: Krise überstanden. Und morgen wieder.

Und was hilft euch beim allmorgendlichen Frühaufstehen? Drückt ihr zehn Mal die Schlummertaste oder springt ihr sofort aus dem Bett? Ich bin gespannt und befördere die Prinzessin mit Diadem jetzt zum creadienstag

Kommentare:

  1. Wie schön, in all der Weihnachtsvergolderei auch mal von handfesten Krisen zu lesen ;-) Deine Stadien durchlaufe ich allmorgendlich derzeit um sechs, wenn zwei Kinder putzmunter aufstehen wolle . Wie machen die das nur???
    Lieben Gruß von Lena

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    1. Ja, machen wir uns nichts vor. Krisen bleiben auch in der Weihnachtszeit nicht aus.

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  2. Danke für den Schmunzler am Morgen. Schön beobachtet. :-)
    Auch mein Körper ruft stinkig "Es ist Nacht, da wird geschlafen!", wenn es zur Aufstehzeit morgens noch dunkel ist. Was mir hilft (oder eher: das einzige, das hilft): Wecker mit Erinnerungstaste (3x) am Bett + Handywecker mit lauter Musik als vierte Erinnerung... außer Reichweite, so dass ich letztlich aufstehen muss, um ihn auszumachen. Hilft der Laune auch nicht, aber zumindest schon mal raus aus dem warmen Bett und auf die Füsse... ;-)

    Lieber Gruß,
    Katja

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    1. Oh, das klingt nach Folter, ist aber sicher effektiv. Ich schaff das nicht.

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  3. Ich kenne das genau umgekehrt. Morgens bin ich immer(!) vor dem Wecker wach, meist stehe ich schon eine Stunde früher auf. Aber abends! Ich muss oft auf Abendveranstaltungen und ab 22 Uhr ist das für mich eine Strafe. Da durchlaufe ich verschiedene Stadien, bis ich endlich ins Bett kann. Des einen sin Uhl ist des andern sin Nachtigall.
    Die Zeichnung mit dem Diadem ist übrigens köstlich!
    LG Jutta

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    1. Danke! Ja, abends unter der Woche ist bei mir aber auch ab 22 Uhr Runterfahren angesagt. Trotzdem, diese Aufsteherei ... Beneidenswert, dass das bei dir so gut läuft.

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  4. Köstlich!!! Du hast es wieder großartig auf einen Punkt gebracht! Schmunzel!!!!! :-))))) Ich bin ja so ein Murmeltier und täglich grüßt immer wieder dieser blöde Wecker!
    Ganz liebe Grüße und einen wunderbaren, ausgeschlafenen Tag dir heute... Michaela ;-)

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  5. Herrlich, das ist wie bei meinem Mann und mir,
    LG Daniela :-):-D

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  6. Danke ihr beiden. Schön zu hören, dass man nicht "alleine" damit ist.

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  7. Wunderbarer Beitrag! Ich musste mächtig schmunzeln. ;-)

    Ich denke mir immer, dass ich am liebsten liegenbleiben möchte, aber so wirklich stimmt es nicht (ich mache es nämlich auch dann nicht, wenn ich es könnte). Denn ich bin gerne Frühaufsteher und bin gerne morgens vor allen anderen wach. Ich genieße das sehr.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Ja, vor allen anderen wach sein finde ich auch toll - am Wochenende. Wenn ich arbeiten muss ist es weniger schön ...

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  8. Die Prinzessin mit Diadem ist echt toll! Und der Beitrag hat mir doch mehr als ein Schmunzeln entlockt. You made my day! Danke dafür.

    Hier ist es ein "schnell ausmachen sonst wird der Gatte wach"-Reflex, wenn mich das Handy morgens um 3 Uhr mit "It's a beautiful day. It's a beautiful morning." von Sasha weckt.

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    1. Um drei Uhr, meine Güte! Du hast eindeutig gewonnen.

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