Sonntag, 16. November 2014

Erkältungstypen – eine ganz besondere Spezies



Die Erkältung – erst hatte er sie, jetzt habe ich sie. Ich hatte mir interessante Dinge für dieses Wochenende vorgenommen. Doch die Erkältung hat mir einen Strich durch die Rechnungen gemacht. Mein größtes Highlight war bisher ein langweiliger Krankenspaziergang um den Block. Mehr als einen verpennten Hasen auf Instagram hatte ich kreativ-mäßig am Samstag auch nicht gerissen.

Aus aktuellem Anlass beschäftige ich mich deshalb hier einmal mit dem Thema Viren, Bakterien und ihren Auswirkungen auf die Persönlichkeit. Manchmal bringen die Krankheitserreger ja die nicht so liebenswürdigen Seiten zum Vorschein. Oder, um es mit den abgenutzten Worten mancher Therapeuten und Pädagogen zu sagen: Eine Erkältung – „was macht das mit dir?“ Welche Erkältungstypen gibt es?


Typ 1: Der Fachsimpler
Schon beim Einchecken an der Theke nennt er – „damit der Papierkram schneller geht“ – den Arztdamen seine Wunschliste: Überweisung zum Lungenfacharzt, HNO und am besten auch zum Gastroenterologen – denn vielleicht hängt das Kratzen im Hals auch mit chronischem Sodbrennen zusammen. Im Behandlungsraum dann nimmt der Fachsimpler dem Arzt die Erhebung der Vorgeschichte vorweg, im Fachjargon auch „Anamnese“ genannt, und spricht direkt die von ihm gewünschte Medikation an. Die sollte in jedem Fall magenschonend von statten gehen, Stichwort „Sodbrennen“.

Typ 2: Der Informant
„Jetzt ist das linke Nasenloch zu“, „Jetzt tut’s beim Husten unten rechts weh“, „Und jetzt pfeifen die Bronchien beim Einatmen“ – danke für das Update. Sobald der Informant eine Veränderung seines Krankheitszustandes wahrnimmt, setzt er sein Umfeld darüber in Kenntnis und zwar prompt. Die arme Wurst, die den Informanten durch sein Jammertal begleiten muss – sei es Bürokollege oder Freund/in – kommentiert die Symptome am besten mit einfachen Ausrufen wie „oje“, „aaah, wie ätzend“ oder „du Ärmster“. Damit ist der Informant in der Regel zufrieden und wendet sich bis zum nächsten Update anderen Dingen zu.

Typ 3: Der Hartgesottene
Kein Wort des Leidens kommt über seine Lippen, während er weiter seinem Alltagsgeschäft nachgeht. Ja, die rote, triefende Nase trägt er zum Zeichen aller hoch erhobenen Hauptes. Sie ist ein Mahnmal, ein gutes Beispiel, mit dem er voran geht. Denn mit Stolz kann der Hartgesottene verkünden: Nicht einen einzigen Tag ist er bisher krank der Arbeit ferngeblieben. Nein, der Unersetzliche gönnt sich seine Ruhepause nur auf dem Totenbett. Einer muss das Räderwerk ja am Laufen halten. Und deshalb wird geackert und geschuftet, schniefend, rotzend, hustend, um die Mission zu erfüllen – und den Rest der Welt anzustecken.

Typ 4: Der Hobbyist 
Herrlich, so eine Erkältung ist doch endlich mal wieder die Gelegenheit sämtlich Naturheilprodukte zu testen. Das macht dem Hobby-Heilpraktiker so richtig Spaß. Schon nur bei dem Gedanken, sich in der Bahn gegebenenfalls angesteckt zu haben, wird zu Kügelchen und Tropfen gegriffen. Denn bekanntlich fängt ja nur der frühe Vogel ... Mit Euphorie durchläuft der Hobby-Heilpraktiker dann die verschiedenen Stadien der Krankheit: Erstverschlimmerung, ausfiebern und so weiter. Für jede Phase gibt es natürlich die richtigen Kügelchen und die müssen am besten alle dreißig Minuten eingeschmissen werden und dann müssen wir ja noch die Zahnpasta wechseln, weil Pfefferminz und Kügelchen sind ja tabu und jetzt kocht auch schon das Wasser für den Sud und – ach gibt’s bei so einer Erkältung viel zutun!

Typ 5: Der Leidende
„Wie bitte? Ich hör’ auf dem rechten Ohr gerade so schlecht“, haucht der Leidende leichenblass aus einem Meer zerknüllter Taschentücher. Sprechen, hören, sitzen, stehen, liegen, ja sogar gucken – der Leidende begleitet jegliche Aktivität mit schweren Seufzern, stöhnen und ächzen. Diese unausgesprochenen Appelle bewirken bei Nichtkennern dieser Erkältungs-Spezies sofortige Reaktionen wie zu Hilfe eilen und bereitwillig die Tür offen halten, damit der Kranke ohne Hindernisse passieren kann. Der Helfende erntet dafür vielleicht ein schlaffes Abwinken und bekommt zum Dank bestenfalls mit einem Wink Richtung Mülleimer ein verrotztes Taschentuch in die Hand gedrückt.

Schon mal einem der Typen begegnet? Oder steckt vielleicht von jedem der Fünf mehr oder weniger in uns? Ich wünsche euch auf jeden Fall gute Abwehrkräfte für die anstehende Erkältungszeit und verabschiede mich für heute mit einem dreifachen „schnief!“.

Kommentare:

  1. Herrlich, ich musste so lachen...
    Ja, ich geb zu, ein wenig von jedem Typ steckt wohl auch in mir *g* Sohnemann dagegen, der derzeit gerade erkältet ist, schnieft eher stumm vor sich hin.

    Ja, ich bin dank der Blogparties auch schon mehrfach über wunderbare Blogs gestolpert. War ja mit diesem hier auch so ;)
    Und wie du siehst, ich komme gerne wieder.

    LG von TAC

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    1. Oh, das freut mich aber :-) Ja, und Blog-Aktionen sind echt eine tolle Sache, um Neues zu entdecken. Meiner Erkältung geht es übrigens schon viel besser, jetzt müsste nur noch das Nackenproblem weggehen - nicht, dass ich jetzt fälschlicherweise in die Kategorie des Informanten gesteckt werde. Das wäre wirklich ein großer Irrtum. ;-)

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  2. Sehr lustig geschrieben. In mir steckt auch etwas von allen Typen. Lg Tobi

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  3. Sooo lustig! Und JA: Ich habe schon den ein oder anderen "Erklältungstyp" in meinem Leben kennengelernt.

    Ich frage mich gerade, welcher Typ ich bin. Da bei mir gerade eine Erkältung auf dem Vormarsch ist, wird mein Mann die Frage sicherlich bald beantworten können. ;-)

    Liebe Grüße
    Nicole

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