Samstag, 29. November 2014

Buchtipp: Irmina

Buchcover © Reprodukt Verlag / Illustration © Barbara Yelin / Foto © sonnengereift

Zuerst stand es auf meiner Wunschliste, dann lag es als Geburtstagsgeschenk in meinem Briefkasten und nun habe ich es gelesen: Die Graphic Novel „Irmina“ erzählt die Geschichte einer Frau, deren Leben maßgeblich von einer Katastrophe geprägt wurde – dem zweiten Weltkrieg. Klingt abgedroschen? Ist es ganz und gar nicht. Denn hier geht es ausnahmsweise einmal nicht um eine Heldengeschichte.


Ein Geographie-Studium können Irminas Eltern ihr nicht finanzieren, also zieht sie von Stuttgart nach London und beginnt eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin. Dort vibrieren im Jahr 1934 bereits die Vorboten des zweiten Weltkriegs. Als Gestrandete aus dem nationalsozialistischen Deutschland kämpft Irmina nicht nur in ihrer Gastfamilie, sondern auch in der versnobten Londoner Gesellschaft mehr und mehr mit Vorurteilen. Dann schließt sie Freundschaft mit dem Oxford-Stipendiaten Howard, der wegen seiner dunklen Hautfarbe auch nicht dazu zu gehören scheint. Beide verbindet der gleiche Wunsch: Sie möchten gesellschaftliche Standesgrenzen überwinden und etwas aus ihrem Leben machen. Doch dann fühlt sich Irmina aus finanzieller Not gezwungen, zurück nach Deutschland zu gehen. Im Schraubstock des nationalsozialistischen Regimes sieht sie nur eine Möglichkeit, ihre ehrgeizigen Zukunftspläne zu verwirklichen: Die Ideologie des dritten Reichs nicht in Frage zu stellen …

Ein Buch über Gabelungen und Möglichkeiten. Von letzteren hat Irmina viele und sie trifft ihre Wahl. Die Autorin und Illustratorin Barbara Yelin zeigt mit der Bildgewalt kraftvoller Zeichnungen und einem ausgeklügelte Storytelling, wohin uns die Wege führen können, die wir uns aussuchen. Die Protagonistin: Eine selbstbewusste Frau. Ehrgeizig, keine Widerstandskämpferin, keine Heldin. Eine „normale Deutsche“ eben, wie Irmina über sich selbst sagt. Irmina, die in England unbedarft und nonkonform auftritt, entscheidet sich in Deutschland für Hitler. Und gegen Ende des Buchs zieht der Leser mit der betagten Protagonistin Bilanz. Und diese Bilanz sitzt und beschäftigt auch noch über die letzte Seite hinaus, während im Kopf noch die eindrucksvollen und stürmischen Zeichnungen Yelins nachhallen.

Der Werdegang ihrer eigenen Großmutter hat die Illustratorin Yelin zu der 270-seitenstarken Graphic Novel inspiriert. Unweigerlich frage ich mich beim Lesen also: Wie viel von Irmina steckt in Yelins Großmutter? Daneben kommt der Drang mit den eigenen Großeltern über diese Zeit zu sprechen.

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Kommentare:

  1. Danke für diese Buchvorstellung. Steht jetzt auf meiner Liste.

    Wünsche Dir einen schönen Sonntag.

    Liebe Grüße
    Nicole

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  2. Freut mich, wenn ich jemanden für das Buch interessieren kann. Wenn du es dann irgendwann mal gelesen hast, sag doch mal Bescheid, wie es dir gefallen hat.

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